Vergütung
Hybrid-DRGs: Warum die Grenze zwischen ambulant und stationär neu verhandelt wird
Die Einführung der sektorengleichen Vergütung verändert die deutsche Krankenhauslandschaft grundlegend. Mit den Hybrid-DRGs soll die medizinische Notwendigkeit stärker zum Maßstab für die Wahl der Behandlungsebene werden.
Krankenhäuser in Deutschland stehen unter erheblichem wirtschaftlichem und operativem Druck. Steigende Versorgungsanforderungen treffen auf begrenzte personelle Ressourcen und zunehmend komplexe regulatorische Rahmenbedingungen. Inmitten dieser Herausforderungen markieren die Hybrid-DRGs (Diagnosis Related Groups) einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Vergütungssystematik. Ziel ist eine konsequente Ambulantisierung von Leistungen, die bisher häufig stationär erbracht wurden.
Sektorengleiche Vergütung als neues Paradigma
Die rechtliche Grundlage für diesen Wandel bildet §115f SGB V sowie die darauf basierende Hybrid-DRG-Verordnung. Das Grundprinzip der Hybrid-DRGs ist einfach: Für definierte medizinische Leistungen erhalten Krankenhäuser und niedergelassene Fachärzte die gleiche Vergütung. Für die Abrechnung spielt damit grundsätzlich keine Rolle mehr, ob ein Eingriff in einer Praxis oder in einem Krankenhaus erfolgt.
Diese Regelung soll wirtschaftliche Fehlanreize reduzieren, Patienten aus Vergütungsgründen stationär aufzunehmen. Krankenhäuser können sich dadurch stärker auf komplexe Akut- und Hochrisikofälle konzentrieren, während weniger komplexe Eingriffe sicher und effizient ambulant durchgeführt werden.
Der Weg zum erweiterten Leistungskatalog
Seit dem Start im Jahr 2024 wurde der Katalog der Hybrid-DRGs schrittweise erweitert. Begann das System zunächst mit einem begrenzten Spektrum, etwa für Hernienoperationen oder Eingriffe an den Harnleitern, umfasst das Verzeichnis inzwischen mehrere hundert OPS-Kodes.
Auch ausgewählte interventionelle Leistungen, etwa aus der Kardiologie, werden zunehmend in die Diskussion um sektorengleiche Vergütung einbezogen. Für viele Krankenhäuser bedeutet diese Entwicklung eine strukturelle Veränderung in der Organisation von Patientenpfaden und Behandlungsabläufen.
Die steigenden Fallzahlen in diesen Bereichen erfordern eine präzise Steuerung der Patientenströme. Nur wenn die Auswahl der Fälle anhand klarer Kriterien wie klinischem Risiko und Komplexitätsgrad erfolgt, lassen sich Patientensicherheit und Effizienz gleichermaßen gewährleisten.
Warum strukturierte Daten die Grundlage bilden
Die Umstellung auf Hybrid-DRGs erhöht die Anforderungen an Dokumentation und Prozessqualität erheblich. Da die Vergütung pauschal erfolgt und sämtliche Vor- sowie Nachbereitungsprozesse umfasst, ist eine möglichst vollständige und strukturierte Erfassung aller relevanten Prozessschritte entscheidend.
Manuelle oder fragmentierte Abläufe stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Qualitätsindikatoren und Abrechnungsdaten lassen sich nur dann verlässlich abbilden, wenn Informationen von Beginn an vollständig und digital vorliegen. Krankenhäuser, die die Qualität ihrer Versorgung belegen und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten wollen, benötigen belastbare Daten entlang der gesamten Patientenreise.
Digitale Unterstützung durch anolink ZNA
An dieser Stelle werden digitale Lösungen zu einem wichtigen Hebel. Systeme wie anolink ZNA ermöglichen es, relevante Informationen bereits im Vorfeld durch die Patienten selbst zu erfassen. Anamnesen, Einwilligungserklärungen und administrative Angaben werden strukturiert erhoben und direkt in die klinischen Systeme überführt.
Für die Umsetzung der Hybrid-DRGs bedeutet dies einen erheblichen Effizienzgewinn. Die Dokumentation wird vollständiger und Prozesszeiten können verkürzt werden. Digitale Werkzeuge helfen dabei, die fachlichen Anforderungen nicht nur formal zu erfüllen, sondern sie nachhaltig im Versorgungsalltag zu verankern.
Fazit
Hybrid-DRGs sind weit mehr als ein neues Abrechnungsinstrument. Sie sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer stärker integrierten und effizienten Akutversorgung. Krankenhäuser, die ihre Prozesse konsequent digitalisieren und an die neuen Rahmenbedingungen anpassen, schaffen die Grundlage für eine zukunftsfähige Patientenversorgung.
Strukturierte Daten spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie machen Versorgungsqualität messbar, unterstützen transparente Abläufe und helfen Krankenhäusern, ihre wirtschaftliche Stabilität in Zeiten des Wandels zu sichern.
Titelbild: Unsplash
Weitere Artikel
Pressemitteilung
anonetics erhält InnoRampUp-Förderung zur Skalierung von anolink ZNA und Aufbau der Data Engine
Die anonetics GmbH wurde im Rahmen des Förderprogramms InnoRampUp der IFB Hamburg gefördert und erhält einen Zuschuss zur Marktetablierung und Weiterentwicklung.
Notfallversorgung
Ersteinschätzung wird Chefsache: Warum 2026 über den Erfolg der Notaufnahme entscheidet
Ab 2026 wird die Qualität der Ersteinschätzung zum zentralen Indikator für die Stabilität einer Klinik. Warum die Vorbereitung jetzt Chefsache ist.
DGINA
Warum die DGINA-Qualitätsindikatoren für Notaufnahmen heute unverzichtbar sind
DGINA-Qualitätsindikatoren machen Qualität messbar – und zeigen, warum strukturierte Daten und digitale Prozesse in der Notaufnahme entscheidend sind.

Kontakt
Maximilian Armbrust
Persönliche Fragen zum Artikel oder zur Umsetzung? Melden Sie sich direkt bei Max.